Der Mensch als soziales Kleingruppenwesen hat unbestritten eine angeborene Tendenz zu gleicher Aufmachung, also zur Zugehörigkeitsdemonstration. Das machten sich vor allem die Obersten zunutze, welche die einzelnen Regimenter in den letzten Jahrhunderten selber angeworben und ausgerüstet haben. Im Laufe der Zeit führte das. insbesondere mit der -Verstaatlichung der Truppen-, zu einheitlichen Uniformen.
Wenn man daher in der Vergangenheit der Uniform des Soldaten oftmals einen Zuschnitt und eine Ausstattung gab, die ihn grösser und stärker erscheinen liess - hohe Bärenfellmütze, breite Schulterstücke und schwere Lederstiefel - so geschah dies durchaus in der Absicht, ihm ein wehrhaftes und furchterregendes Äusseres zu verleihen. Dies führte neben anderen Gründen dazu, dass so dem Uniformträger innerhalb der Gesellschaft ein besonderer Platz eingeräumt wurde.
Der Brite Guido Rosignolis, Autor und Illustrator verschiedener Bücher zur Militärgeschichte, schrieb unter anderem: -Die Zeiten, in denen es der Uniform zur Unterscheidung von Freund und Feind auf dem Schlachtfeld bedurfte, sind längst vergangen. ... Es erscheint aus heutiger Sicht nicht ausgeschlossen, dass die einheitliche Uniform in Zukunft und wie früher einmal zeremoniellen Ereignissen vorbehalten sein wird.
Ganz in diesem Sinne hat der Verein .Zuaven Regiment Leuk" die Uniformierung an die Hand genommen. Der Leser versteht sicher, dass wir nicht auf die Entstehung und Entwicklung der Uniformen der grossen Armeen der Welt eingehen, sondern uns auf die Zuaven beschränken.
Weltweite Berühmtheit erlangten die in Nordafrika aufgestellten neuen französischen Einheiten, unter ihnen die Zuaven. Zunächst uneinheitlich uniformiert, trugen die Zuaven etwa seit der Zeit des Krimkrieges den roten Fez mit langer Quaste - bei Paraden zusätzlich einen Turban -, blaue Jacken und Westen sowie sehr weite weisse Hosen und gelbe Ledergamaschen. Der amerikanische General Mc Clellan hielt bei seinem Europabesuch diese Aufmachung für die "bequemste Uniform", die sich denken lasse.
Im Hinblick auf die grosse Zweckmässigkeit der für die französische Armee eingeführten Bekleidungsstücke, insbesondere der Zuaven erstaunt es nicht, dass andere Heere dem Beispiel Frankreichs folgten. Unter diesen ist Sardinien hervorzuheben, dessen König Viktor Emmanuell erster König des geeinten Italiens wurde. Als 1861 der amerikanische Bürgerkrieg ausbrach, waren es in erster Linie freiwillige Einheiten und Milizen aus Europa, die in nordamerikanische Di enste eintraten. Unter ihnen erreichte die New Yorker Garibaldi-Garde in Zuavenhosen, die "Feuerzuaven", grosses Ansehen.
In unserem Überblick beschränken wir uns aber auf den geistigen Vater des "Zuaven Regimentes Leuk", Zuavenoberst Eugen ALLET (18.02.1814 - 23.03.1878). 18 Jahre alt trat er unter Papst Gregor XVI. in das zweite päpstliche Schweizerregiment ein. Rasch rückte er auf der militärischen Offiziersleiter empor. Als 1866 zur Verteidigung des Kirchenstaates unter Papst Pius IX. ein eigenes Zuavenregiment gegründet wurde, übertrug der päpstliche Kriegsminister das Kommando Eugen ALLET mit gleichzeitiger Beförderung zum Obersten. Er nahm an der Verteidigung Roms gegen die Garibaldianer teil und erlebte die bittere Niederlage sowie die Auflösung seines geliebten Regimentes.
Wen wundert es, dass die Initianten des „Zuaven Regimentes Leuk“ zu einer Art "Herrgottsgrenadier- Dienst" den Zuavenobersten ALLET zum Vorbilde nahmen. Dem damaligen Auftrag der Zuaven entsprechend, will das "Zuaven Regiment Leuk" die Tradition am Dienst der Kirche weiterführen. An manchen Orten unseres Landes, wo heute am Fronleichnamstag Soldaten in Feldgrau Pate stehen, haben einst deren Vater in fremden, bunten Uniformen dem höchsten König die Ehre gegeben. Denken wir an die Lötschentaler Herrgottsgrenadiere, Schweizergardisten u.a.m., die heute noch in den verschiedensten Walliser Gemeinden die Ehren- wache vor dem Allerheiligsten halten. Sie tragen die Paradeuniform, die ihre Vater am Ende ihrer Dienstzeit nach Hause mitnehmen durf ten und als kostbare Erbstücke von Geschlecht zu Geschlecht weiter- gegeben haben. Diese Idee ist in den Statuten aufgenommen worden, werden doch die Uniformen vom Vater zum Sohn oder Erbberechtig ten weitergegeben.
Es ist als ein Glücksfall zu bezeichnen, dass der erste Kulturpreisträger der Gemeinde Leuk, Victor MATTER, im alten Pfarrhaus fündig geworden ist. Als Autor und Regisseur vieler geschichtlicher Theaterstücke ist er stets auf der Suche nach Unterlagen und Kostümen. In einem alten Schrank entdeckte er mit dem damaligen Pfarrer und Dekan, Dr. Bruno LAUBER, eine alte Uniform. Nach verschiedenen Untersuchungen, Nachforschungen und Vergleichen mit Fotos stellte sich heraus, dass es sich um eine Uniform des Zuavenobersten Eugen ALLET handelte. Damit war die Suche nach einer Uniformvorlage abgeschlossen. Nachforschungen bei der Eidg. Militärbibliothek, dem Militärmuseum, dem Schweiz. Landesmuseum, in Museen von Sitten, Paris und Rom führten von der Idee zur Realisierung. Dank Herrn Toni JOSSEN, Oberstleutnant a.D. der Schweizergarde in Rom, konnte das päpstliche Zeichen mit der Tiara und den gekreuzten Schlüsseln als Vorlage beschafft werden. Als Waffe konnten wir eine Kopie der Zuaven - Rifle Jahrgang 1860 auftreiben.
Der Verein wurde offiziell an der Gründungsversammlung vom 25.04.1990 mit der Annahme der Vereinstatuten gegründet. Nun steht der Verein da, uniformiert und bewaffnet wie zur Zeit des einzigen Zuavenobersten der Militärgeschichte. 27 Aktive zählte der Verein am Tag der Uniformierung. Weitere werden folgen. Ziel des Vereins bleibt es, 50 aktive Zuaven als Vollbestand zu erreichen.
Einen ersten grossen Höhepunkt erlebten die Zuaven anlässlich der ARENA HELVETICA am 31. August und 1. September 1991 in Stans. Das JubiJäumsjahr der Eidgenossenschaft mit der Rückbesinnung auf die 700-jährige Geschichte unseres Landes bildet unter dem Leitmotiv -Begegnung- einen Höhepunkt des Jubiläumsfestes. In der 700-jähri- gen Wehrgeschichte der Eidgenossenschaft bilden die Schweizerregimenter in fremden Diensten, unter ihnen die Zuaven, einen Schwerpunkt. Für das -Zuaven Regiment Leuk- ist es eine besondere Ehre, die Geschichte der Walliser in fremden Diensten darzustellen. Wir lesen darüber im Festbüchlein der ARENA HELVETICA: "50 I PÄPSTLICHES ZUAVENREGIMENT 1860 - 1870, im letzten Jahrzehnt des alten Kirchenstaates, verfügte der Papst über ein eigenes Zuavenregiment. Da dieses vom Leuker Eugen ALLET selbst kommandiert wurde, liegt es nahe, dass Leuker die stolze Truppe an der ARENA HEL VETICA vertreten. Zuavenregiment in päpstlichen Diensten, Leuk."
Der junge Verein will ganz nach dem Ziel der Statuten die Tradition der päpstlichen Zuaven als Diener der Kirche wieder aufleben lassen. Schwerpunktmässig werden die Zuaven die kirchlichen Festtage so wie weltliche Anlässe der Gemeinde und Burgerschaft verschönern. Eine ganz besondere Ehre fällt dem Zuaven Regiment zu, nämlich den Fänner der löblichen Gemeinde Leuk zu stellen.
Es ist mein ganz persönlicher Wunsch, dass jeweils am Fronleichnamstag die Parade in den beiden Pfarreien St. Stephan, Leuk-Stadt, und Hl. Theresia, Susten-Leukergrund, der Höhepunkt des Jahres für das Zuaven Regiment Leuk werde. Malerisch soll der militärische Aufzug in der hellblauen Uniform der päpstlichen Zuaven sein. Mögen die Zuaven in der Gesellschaft aller Beteiligten, den Musikgesellschaften, den Ehrenkompanien, den Kirchenchören, den Kindern und Jugendgruppen sowie dem betenden Volk gelebte christliche Tradition sein. Möge die aus tiefster Überzeugung stammende Kundgebung unseres Glaubens an die Gegenwart Gottes im Altarssakrament für alle ein religiöses Erlebnis bleiben.